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Dein erster Töpferkurs: Was dich Schritt für Schritt erwartet

Es ist ein ganz besonderer Moment, wenn man zum ersten Mal die Tür zu einer Töpferei öffnet. Der erdige Geruch von feuchtem Ton liegt in der Luft, das leise Surren der Töpferscheiben erfüllt den Raum, und überall stehen rohe, unglasierte Gefäße, die darauf warten, gebrannt zu werden. Wenn dein erster Töpferkurs kurz bevorsteht – oder du noch überlegst, ob dieses wunderbare Handwerk etwas für dich ist –, fragst du dich vielleicht: Wie läuft so etwas eigentlich ab? Muss ich schon etwas können? Und was passiert mit meinem Stück, wenn der Kurs vorbei ist?

Ich bin Suzanne, und in meinen über 35 Jahren an der Töpferscheibe durfte ich schon unzählige Menschen bei ihren ersten Berührungen mit dem Ton begleiten. In meiner Werkstatt PurKeramik, mitten im lebendigen Münchner Gärtnerplatzviertel, sehe ich fast täglich diese Mischung aus Vorfreude und leichter Nervosität. Lass mich dir diese Nervosität nehmen. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, was dich erwartet, wenn du dich für einen Kurs bei uns entscheidest.

Ankommen in der Werkstatt am Isartor

Egal, ob du nach der Arbeit kommst oder den Samstagnachmittag bei uns verbringst: Der erste Schritt ist immer das Ankommen. Unsere Werkstatt in der Rumfordstraße 36 ist ein Ort der Entschleunigung. Du lässt den Trubel der Münchner Innenstadt vor der Tür und betrittst eine andere Welt.

Zu Beginn ziehen wir uns erst einmal eine Schürze an. Ton ist ein ehrliches, aber auch ein schmutziges Material. Du brauchst dir also keine Sorgen um deine Kleidung zu machen – wir stellen Schürzen zur Verfügung, und der Ton lässt sich später problemlos bei einer normalen Wäsche herauswaschen. Wir setzen uns bei einer Tasse Tee oder Kaffee zusammen, lernen uns kurz kennen und ich erkläre dir die wichtigsten Grundlagen. Du musst absolut keine Vorkenntnisse mitbringen. Dein erster Töpferkurs ist genau dafür da: um zu experimentieren, das Material zu spüren und den Kopf freizubekommen.

Zwei Wege zum eigenen Gefäß: Die Qual der Wahl

In der Keramik gibt es zwei große Wege, um aus einem formlosen Klumpen Erde ein Gefäß zu erschaffen. Bei PurKeramik bieten wir für beide Techniken spezialisierte Kurse an. Je nachdem, wofür du dich entschieden hast, sieht dein Kursablauf etwas anders aus. Wenn du dir noch unsicher bist, welche Technik besser zu dir passt, empfehle ich dir unseren Artikel Drehscheibe vs. Handaufbau.

Magie in Rotation: Der Kurs an der Drehscheibe

Wenn du dich für unseren Drehscheiben-Einzelkurs entschieden hast, verbringen wir 2,5 intensive Stunden zusammen. Dieser Kurs kostet 135 € und beinhaltet bereits alle Materialien und das Brennen deiner Stücke.

Der Ablauf an der Scheibe sieht so aus:

1. Ton schlagen und vorbereiten: Bevor wir an die Scheibe gehen, muss der Ton geknetet werden, um Lufteinschlüsse zu entfernen. Das mache ich meistens für dich, damit du deine Kraft für das Drehen aufsparen kannst.

2. Das Zentrieren: Das ist der wichtigste und oft auch schwierigste Teil. Der Ton muss exakt in die Mitte der rotierenden Scheibe gebracht werden. Ich sitze oft direkt neben dir, führe bei Bedarf deine Hände und zeige dir, wie du deinen Körper als Hebel nutzt, statt nur aus den Armen zu arbeiten.

3. Aufbrechen und Hochziehen: Wenn der Ton zentriert ist, bohren wir mit dem Daumen ein Loch in die Mitte – wir "brechen den Ton auf". Danach ziehen wir die Wände mit gleichmäßigem Druck von innen und außen langsam nach oben. Es ist ein fast meditativer Moment, wenn der Ton plötzlich wächst und zu einer Tasse oder kleinen Schale wird.

Wir drehen in den 2,5 Stunden meist mehrere Stücke. Mach dir keine Sorgen, wenn das erste Gefäß vielleicht etwas windschief wird. Das gehört dazu! Jedes Stück hat Charakter.

Die Ruhe des Modellierens: Der Abendkurs Handaufbau

Wenn du den Abendkurs Modelliertechnik gebucht hast (220 € für 4 Abende à 2,5 Stunden, zzgl. Brennkosten nach Gewicht), gehen wir es ganz ohne Maschinen an. Hier arbeiten wir mit den ältesten Techniken der Menschheit.

An den ersten drei Abenden formen und bauen wir. Wir nutzen die Plattentechnik (ideal für kantige oder sehr gleichmäßige Formen), die Wulsttechnik (perfekt für große Vasen oder organische Schalen) oder die Aushöhltechnik. Der große Vorteil hier: Du hast viel mehr Kontrolle. Während die Drehscheibe keinen Moment der Unachtsamkeit verzeiht, kannst du beim Handaufbau jederzeit pausieren, korrigieren und dir Zeit lassen. Wir bauen an diesen Abenden echte Unikate, die deine ganz persönliche Handschrift tragen.

Wie es nach dem Formen weitergeht

Viele Einsteiger sind überrascht, dass sie ihr fertiges Stück nicht direkt nach dem Kurs mit nach Hause nehmen können. Keramik lehrt uns Geduld. Wenn du dein Stück geformt hast – egal ob an der Scheibe oder am Tisch –, ist es nass und extrem empfindlich.

Zunächst müssen die Stücke bei uns in der Werkstatt langsam trocknen. Das dauert oft eine bis zwei Wochen, je nach Wetterlage in München. Wenn die Stücke komplett durchgetrocknet sind (wir nennen diesen Zustand "lederhart" bis "knochentrocken"), wandern sie das erste Mal in den Ofen. Bei diesem sogenannten Schrühbrand wird der Ton bei ca. 950 °C gebrannt. Er verliert sein restliches chemisch gebundenes Wasser und wird fest, bleibt aber porös.

Der vierte Abend: Farbe und Glanz

Wenn du den Handaufbau-Kurs besuchst, ist der vierte Abend für das Glasieren reserviert. Beim Drehscheiben-Einzelkurs übernehme ich das Glasieren für dich, du darfst dir aber natürlich die Farben aussuchen.

Wir arbeiten in meiner Werkstatt mit 15 selbst entwickelten, lebensmittelechten Glasuren. Mir war es immer wichtig, keine industriellen Fertigprodukte zu nutzen, sondern eigene Rezepturen aus Asche, Quarz und verschiedenen Oxiden zu mischen. Du tauchst oder bepinselst dein geschrühtes Stück. Danach sieht die Glasur meist wie eine matte, graue Staubschicht aus. Die wahre Magie passiert erst im zweiten Brand, dem Glasurbrand.

Wir brennen unser Steinzeug bei enormen 1.270 °C. Bei dieser Temperatur schmilzt die Glasur aus, verbindet sich untrennbar mit dem Ton und der Ton selbst "sintert" (er wird wasserdicht). Das Ergebnis ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch extrem robust, spülmaschinenfest und absolut lebensmittelecht.

Dein fertiges Meisterwerk

Nach etwa drei Wochen ist es dann so weit: Du bekommst eine Nachricht von mir, dass deine Stücke fertig sind. Der Moment, in dem du deine eigene, handgemachte Keramik abholst, ist unbezahlbar. Zu wissen, dass dieser Becher oder diese Schale aus einem formlosen Klumpen Erde durch deine eigenen Hände entstanden ist, verändert den morgendlichen Kaffee für immer.

Ich hoffe, ich konnte dir die Aufregung vor deinem ersten Besuch bei uns nehmen. Ein erster Töpferkurs ist der Beginn einer wunderbaren Reise. Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst Hand anzulegen, schau dir gerne unsere aktuellen Termine für Töpferkurse an. Und falls du dich lieber erst einmal inspirieren lassen möchtest, stöbere gerne in unserem Shop – dort findest du Stücke, die genau mit den Techniken gefertigt wurden, die du bei uns lernen kannst.

Ich freue mich darauf, dich bald bei PurKeramik in München begrüßen zu dürfen!